Erfolgsbeispiele

Foto- Mädchen am PCNeubeginn im BBRZ

Jugendliche und ihre Geschichten.

Machen Sie sich ein Bild von unseren jugendlichen TeilnehmerInnen, die auch in einer schwierigen Lebenslage wieder Anschluss und neue Perspektiven gefunden haben.

Daniel hatte in der Hauptschule sonderpädagogischen Förderbedarf und wurde in den Hauptgegenständen nach dem Sonderschullehrplan unterrichtet.

Beim Clearing in der Abschlussklasse wurde eine Teilqualifizierung empfohlen.
„Nach der Schulpflicht habe ich dann eine Lehre als Koch begonnen. Ich wollte es unbedingt alleine schaffen“, so Daniel. Leider ohne Erfolg – die Lehre wurde noch während der Probezeit abgebrochen.

Durch das Engagement seiner ehemaligen Lehrerin bekam er die Möglichkeit, die Kochlehre in einem Restaurant fortzusetzen. „Und dann bekam ich auch Unterstützung von der Berufsausbildungsassistenz.“

Daniel wurde als Lehrling in eine sogenannte „verlängerte Lehre“ übernommen. Diese schließt mit der Lehrabschlussprüfung bei um ein bis – in Ausnahmefällen - zwei Jahre verlängerter Lehrzeit ab.

Die Berufsausbildungsassistenz organisierte eine Honorarkraft, um Daniel intensiv auf die Berufsschule vorzubereiten. Regelmäßige Firmenkontakte und Gespräche mit Daniel führten dazu, dass er sich sehr gut im Unternehmen integrieren konnte.

Er schloss seine Ausbildung in der regulären Lehrzeit 2007 erfolgreich ab und arbeitete erfolgreich als Koch in verschiedenen Betrieben. Daniel: „2009 kam ich in meinen Lehrbetrieb zurück und bin dort jetzt Küchenchef.“

Sara Z. trat im Alter von 21 Jahren in die Kursmaßnahme Plan B des BBRZ in Spittal/ Drau ein. Die begonnene Lehre als Restaurantfachfrau wurde von Seiten des Arbeitgebers nach Auslaufen der Förderungen nach einem Jahr aufgelöst. Nach längerer erfolgsloser Lehrstellensuche verlor Sarah Z. ihre Motivation eine Ausbildung zu absolvieren.

„Zuhause bekomme ich immer zu hören, dass ich es nie zu etwas bringen werde, und inzwischen bin ich sowieso zu alt für eine Lehre.“
Durch diverse individuelle Trainings konnte Sarah motiviert werden, sich für neue berufliche Perspektiven zu öffnen und sich doch der Herausforderung einer neuerlichen Lehre zu stellen. Sie interessierte sich für den Lehrberuf der Einzelhandelskauffrau.

Auf Grund der guten Kooperation des BBRZ mit einem Einzelhandelsbetrieb in Spittal/Drau konnte über ein Langzeitpraktikum eine passende Lehrstelle gefunden werden, in der sich die Sara mit ihrem einzigartigen Wesen vollständig einbringen und entfalten kann.

Michaela kommt nach dem Abschluss der allgemeinen Schulpflicht im Alter von 15 Jahren zur Arbeitsassistenz. Sie benötigt Unterstützung bei der Lehrstellensuche im Gastronomiebereich. Im letzten Schuljahr hat sie über das Projekt „Start?Klar!“ ein Clearing absolviert, um die weitere berufliche Ausbildung abzuklären.

Im Ergebnisbericht von Start?Klar! wird Michaela eine Teilqualifizierungslehre mit intensiver Lernunterstützung empfohlen. Am Beginn der Betreuung durch die Arbeitsassistenz werden gemeinsam mit Michaela ihre Bewerbungsunterlagen überarbeitet.

Da Michaela sehr schüchtern ist und Angst vor einem Vorstellungsgespräch hat, wird mit ihr ein intensives Bewerbungstraining durchgeführt und eine Begleitung zu Vorstellungsgesprächen vereinbart.

Schon bald ergibt sich für Michaela bei einem dieser Vorstellungsgespräche die Möglichkeit, ein zweiwöchiges Praktikum als Köchin in einem Gasthaus zu absolvieren. Die ersten Tage des Praktikums verlaufen für Michaela jedoch nicht positiv. Sie ist sehr nervös und kann sich die Arbeitsabläufe nicht merken. Sie traut sich aber nicht nachzufragen, wenn sie etwas vergisst, da sie befürchtet die Praktikumsstelle gleich wieder zu verlieren. Außerdem geht immer wieder Geschirr zu Bruch.

In einem gemeinsamen Gespräch mit Michaela und ihrem Dienstgeber, gelingt es Michaela ihre Ängste betreffend der neuen Situation anzusprechen. Der Dienstgeber zeigt Verständnis. Um Michaela mehr Zeit zu geben, wird, in Absprache mit dem AMS, das Praktikum auf insgesamt ein Monat verlängert. Nach dem gemeinsamen Gespräch geht es Michaela besser.

Sie traut sich nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstanden hat und wird mit der Zeit immer offener. Auch ihr Arbeitstempo kann sie innerhalb der Praktikumszeit steigern. Der Dienstgeber wird durch die Arbeitsassistentin über die integrative Berufsausbildung und über die AMS Lehrstellenförderung informiert.

Aufgrund der Leistungssteigerung während des Praktikums kann Michaela den Gastwirt überzeugen, er übernimmt sie in eine Teilqualifizierungslehre. Die Arbeitsassistenz organisiert für Michaela die weitere Betreuung durch die Berufsausbildungsassistenz. Diese beginnt mit dem Einstieg in das Lehrverhältnis, die Jugendliche wird über die gesamte Dauer der Ausbildung durch die Berufsausbildungsassistenz betreut.

In den ersten 3 Ausbildungsmonaten besteht regelmäßiger Kontakt zu Michaela und ihrem Dienstgeber, dann wird die Betreuung der Arbeitsassistenz beendet. Im letzten gemeinsamen Gespräch wird vereinbart, dass sowohl Michaela als auch ihr Ausbildner sich bei Problemen jederzeit an die Arbeitsassistenz wenden können.

Simone besuchte 2008/2009 die Berufsvorbereitungsmaßnahme für Jugendliche „go4job“ im IAZ (Integrative AufbauZentren OÖ).
Simones Mutter ist im November 2008 verstorben, sie war Alleinerzieherin.

Das Sorgerecht hat die Großmutter bekommen, sie wohnt aber nicht im gemeinsamen Haushalt mit den Enkelinnen, sondern in ihrer eigenen Wohnung. Die finanzielle Situation ist angespannt.

In der Hauptschule wurde Simone in den meisten Fächern nach dem Lehrplan der Sonderschule unterrichtet. Ihre Kenntnisse in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen sind unvollständig, Arbeitstempo und Sprechtempo sind verlangsamt.

Sehr belastend war natürlich für Simone die schwere Erkrankung und der Tod ihrer Mutter. Leider wurde diese Tatsache nicht in allen Betrieben von den MitarbeiterInnen berücksichtigt und darauf eingegangen.

Es dauerte einige Monate bis Simone wieder stabil für die Arbeit war. In dieser Zeit war laut ihrer Großmutter nicht nur die Familie, sondern auch das IAZ, wo Simone Freundinnen gefunden hatte, ein wichtiger Fixpunkt und Auffangort.

Ein Praktikum bei Bellaflora verlief erfolgreich. Der Filialleiter Herr Topf ist sozial sehr engagiert, beschäftigt seit einiger Zeit auch einen Rollstuhlfahrer, und gibt Simone die Möglichkeit, eine zweijährige Teillehre zur Gartencenterkauffrau zu absolvieren.

Nachdem sie gut integriert ist, große Entwicklungsfortschritte gemacht hat und mit Unterstützung der Berufsausbildungsassistentin die Berufsschule geschafft hat, wird sie nun ein weiteres Jahr im Betrieb bleiben.

Bernhard kam im Alter von 17 Jahren zum Arbeits-, Lebens- und Wohntraining des Projekts „Haltegriffs“ ins BBRZ Kapfenberg. Aufgrund seiner massiven Sehschwäche von 17 Dioptrien, wegen der er von Anderen häufig aufgezogen wurde, verlor er seine Lehrstelle im Bereich Kraftfahrzeugtechnik. „Ich hatte einfach keine Lust mehr, mir etwas Neues zu suchen, ständig gab es Streit mit meinen Eltern. Ich hab’ nichts mehr auf die Reihe bekommen.“

Mit dem Einzug in die Wohngemeinschaft und der Aufnahme des Arbeitstrainings konnte sich Bernhard D. neu orientieren. Da er durch seine mittlerweile erworbenen sozialen Kompetenzen die Gruppe gut motivieren konnte, übernahm er schnell die Vorbildrolle.

„Bald habe ich mich auch wieder viel besser mit meinen Eltern verstanden und wollte wieder daheim wohnen“, so Bernhard D. Daher pendelte er täglich von zuhause zum Arbeitstraining.

Nach der Abklärungs- und Eingewöhnungsphase stand für den Bernhard fest, dass er in seinem begonnen Lehrberuf weiterlernen möchte. Gemeinsam mit dem BBRZ konnte ein Unternehmen gefunden werden, das Bernhard D. die Chance zu einem mehrmonatigen Langzeitpraktikum bot. Und er kann stolz auf sich sein: „Die dritte Klasse Berufsschule habe ich mit Auszeichnung absolviert.“

Die Unterstützung der TrainerInnen des Haltegriffs und die gute Kooperation mit der Sozialarbeiterin der Bezirkshauptmannschaft ermöglichten es, dass der mittlerweile 18-Jährige als außerordentlicher Schüler im Herbst 2011 zur Lehrabschlussprüfung antreten wird.

Bernhard hat mittlerweile ein sehr harmonisches Verhältnis zu den Eltern und steht in einer glücklichen Partnerbeziehung.

Gabriel war ein sehr schüchternes und introvertiertes Kind; dadurch fiel die
Notwendigkeit des Sonderpädagogischen Förderbedarfs erst ab der vierten Klasse
Volksschule auf.

Nach Ende der Hauptschulzeit wurde aber deutlich, dass er ohne Unterstützung in
seiner abgelegenen Wohngegend auf eigene Faust keine Arbeit finden würde
können.

In verschiedenen Maßnahmen konnte er seinen Berufswunsch Gärtner
abklären und absolvierte mehrere Praktika. Eine feste Anstellung wurde ihm aber
nirgends angeboten. Er zog sich in dieser Zeit zurück und wirkte auf seine Umwelt
unzugänglich und verschlossen.

In einem Baumarkt bekam er schließlich, obwohl die Firma niemanden aufnehmen
wollte, aufgrund seines ausdauernden Einsatzes die Chance, eine Teillehre als
Gartencenterkaufmann zu beginnen.

Im Blickpunkt der durch die Berufsausbildungsassistenz initiierten betrieblichen und schulischen Ausbildungsplanung standen von nun an die individuellen Fähigkeiten und Stärken von Gabriel.

Nach anfänglichen schulischen Schwierigkeiten klappte es für alle Seiten recht gut
und Gabriel fühlte sich gut in die Berufsschule integriert. Ab hier wurde es für ihn eine
Erfolgsgeschichte.

Die Firmenchefin war mit seiner Entwicklung sehr zufrieden, die Lehrerinnen erkannten das Potenzial von Gabriel und er selbst konnte zum ersten
Mal seine Stärken zeigen indem er selbstbewusster und zielstrebiger auftrat.

Gabriel absolvierte seine Abschlussprüfung in seinem Lehrbetrieb mit Bravour. Die gesamte Belegschaft der Firma brachte zu diesem Anlass ihre Anerkennung und
Wertschätzung Gabriel gegenüber zum Ausdruck.

Die Übernahme in der Firma ist schon besprochen. Gabriel hat die Chancen der IBA - der Integrativen Berufsausbildung - wo Lernen, berufliche und persönliche Entwicklung bestimmende Faktoren sind, genutzt und hat sich so den Beginn seiner Karriere geschaffen.

Bei Melanie wurde im Volksschulalter ein „Tourette – Syndrom“ diagnostiziert, die Minderung der Erwerbsfähigkeit legte das Bundessozialamt mit 50% fest.

Bereits im letzten Pflichtschuljahr begann die Jugendliche mit der Lehrstellensuche.
Trotz über 2jähriger intensiver Bewerbungstätigkeit und Aufnahmetests bei vielen Firmen und im öffentlichen Dienst gelang es ihr nicht, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Dies war verständlicherweise sehr frustrierend für Melanie und wirkte sich auch stark auf das gesamte Familienleben aus – „Ich finde nie eine Arbeit – mich mag keiner!“

Nach vermehrten Bemühungen seitens des Vaters wurde Melanie im Herbst 2008 vom Arbeitsmarktservice zu einem Berufsorientierungskurs (Reha – Kombination für Jugendliche mit Einschränkung) im BBRZ Linz zugewiesen. In dieser Maßnahme kam Melanie nach einigen Praktika zu der Entscheidung, eine Lehre im Einzelhandel absolvieren zu wollen.

Entsprechend ihrer schulischen Defizite benötigte Melanie noch Förderunterricht im Hinblick auf den bevorstehenden Berufsschulbesuch. Dieser konnte im Rahmen einer weiteren Kursmaßnahme (Reha – Training für Jugendliche mit Einschränkung) angeboten werden.

Im Anschluss daran stieg die Jugendliche in eine integrative Berufsausbildung zur Einzelhandelskauffrau in Form einer Teilqualifizierung im BBRZ ein.
Als Partnerbetrieb für die fachliche Ausbildung im Einzelhandel konnte Melanie ein renommiertes Unternehmen im Lebensmittelbereich gewinnen.

Trotz der Zusage für eine Übernahme ins 2. Lehrjahr wollte Melanie den Betrieb wechseln, da sie sich nach einer Versetzung in eine andere Filiale bei der Arbeit nicht mehr wohlfühlte und kaum Anschluss zu ihren ArbeitskollegInnen fand. In dieser schwierigen Phase erhielt Melanie Unterstützung von den ExpertInnen des BBRZ und so konnte die Jugendliche nach kurzer Zeit einen neuen Ausbildungsbetrieb finden.

Zwischenzeitlich absolvierte Melanie die 1. Klasse Berufsschule positiv. Während des gesamten Ausbildungsverlaufs wurde sie von der Berufsausbildungsassistenz begleitet und erhielt Förderunterricht im BBRZ.

Aufgrund ihrer großen Entwicklungsfortschritte und der gezeigten Leistungen im Ausbildungsbetrieb konnte die Jugendliche die Teilqualifizierung im BBRZ vorzeitig beenden und wurde mit September 2010 von der Maximarkt Handels-GmbH in ein verlängertes Lehrverhältnis übernommen.

Melanie wird 2012 zur Lehrabschlussprüfung antreten.

Christian besuchte 2008/2009 die Berufsvorbereitungsmaßnahme für Jugendliche „volldabei“. Die Familie wird seit Jahren von der Jugendwohlfahrt betreut.
Der große junge Mann wirkt introvertiert und wortkarg, seine Antworten kamen erst nach langem Überlegen.

Aufgrund seiner Sozialphobie bleibt er in der ersten Zeit ein Einzelgänger, er wird jedoch immer wieder ermutigt mitzumachen und sich einzubringen. Während der erlebnispädagogischen Tage in Nußdorf werden seine enormen Entwicklungsfortschritte sichtbar.

Sowohl seine rhetorischen Beiträge als auch der Umgang mit den anderen in den Teamübungen waren erstaunlich. Christian hat in diesem Berufsvorbereitungsjahr sehr an Selbstvertrauen gewonnen.

Schnuppertage in der Kolpinghausküche und ein anschließendes Praktikum in der Küche des Frankenmarkter Seniorenheimes brachten positive Rückmeldungen. Christian arbeite ruhig und genau, ist zuverlässig und sehr pflichtbewusst, auch mit den KollegInnen komme er gut aus.

Ein Langzeitpraktikum in der Küche des Pflegezentrums Vöcklamarkt führte zum Erfolg. Der Umgang im Team ist sehr wertschätzend und unterstützend, auch zum regelmäßigen Stammtisch wird Christian mitgenommen. Die Arbeit gefällt ihm. Er fühlt sich wohl.

Mit Unterstützung einer Berufsausbildungsassistentin kann Christian nun eine integrative Lehrausbildung machen.

Sieben Jahre im Kinderheim sind an Christian nicht spurlos vorbeigegangen. Der Schmerz scheint noch sehr tief zu sitzen, aber mit therapeutischer Unterstützung schafft er es.